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Geburt des Lichts Kapitel 2: Ein Herz aus Licht und Hoffnung



Kapitel 1: Die Geburt des Lichts
Kapitel 2: Ein Herz aus Licht und Hoffnung
Kapitel 3: -verschollen-
Kapitel 4: Ein Stern in der Nacht



Wie lange war es her, dass ich diese Welt zum ersten Mal besuchte? Ich weiß es nicht mehr. Einst erfüllten mich diese Sphären weitab meiner Heimat mit Furcht und Unsicherheit. Ich war blind, wo ich sonst klaren Blickes wandeln konnte. Es war, als ob mich etwas vom Himmel herab auf das Gebein der Erde zog. Doch viel war geschehen seit damals. Das Licht hatte Einzug gehalten, und die Finsternis war vor Bahamuth und seinem ersten Propheten Nandur gewichen.

Nandur! Freund, Gefährte und Mentor! Viel zu lange habe ich Dich schon nicht mehr besucht in Deiner Welt. Dein Sohn, zu stattlicher Statur herangewachsen, erfüllt von der Anmut seiner Mutter und der Stärke seines Vaters, ein Kind aus Licht und Schatten: Er trägt beide Seiten in sich und ist so das erste wahre Kind dieser Welt. Einst spielte er auf meinem Rücken doch heute schreitet er neben Dir einher, als würde die Verantwortung, die er mit seinen Eltern trägt, kein Gewicht haben.

"Das Licht habt ihr gesucht, und die Freiheit habt ihr gefunden. Nach Gerechtigkeit habt ihr verlangt und Frieden habt ihr erhalten. Die Liebe wolltet ihr sehen und Ordnung habt ihr ins Chaos gebracht!"

Das Haupt hoch erhoben stand der Goldene, der Gemahl der Sheenallasaar vor den Gesandten der Völker. In seinen Augen leuchtete die Überzeugung und seine Stimme war erfüllt von Vertrauen und Liebe zu Bahamuth. Und links und rechts neben ihm standen seine Imahohin und ihre Kinder. Gemeinsam empfingen sie die Botschafter und Unterhändler aller Völker, denen sie während ihrer Wanderschaft durch die Welt begegnet waren. Sie alle waren gekommen um zu hören, was er zu verkünden hatte, und auch ich habe mich hier auf den Ebenen Aquillons eingefunden um diesem schicksalsträchtigen Tag beizuwohnen.

Der Blick erfüllt von einem Stolz, den sie vor einer Generation noch nicht einmal im Entferntesten erahnen konnten lauschten die weißhaarige Magierin und ihr Begleiter, die aus dem weit im Norden gelegenen Valaan herbeigereist waren den Worten, die Nandur an alle Anwesenden richtete.

"Ihr wurdet von Barghaan geschaffen. Ihr alle ward in der Finsternis geboren und habt erfahren, was für ein Leben sie fordert, um in ihr zu bestehen. Ein Leben voller Prüfungen und nicht enden wollender Rivalität. Ein Leben ohne Gemeinschaft, Geborgenheit und der Freiheit Euren eigenen Weg zu wählen. Ihr alle habt die freie Entscheidung getroffen, der Finsternis abzuschwören für ein Leben im Licht. Einem neuen Leben voller Gefahren und Verfolgung durch Eure Brüder und Schwestern, voller Neid und Missgunst derer, die unter dem Segen Bahamuths leiden, weil sie den Samen des Friedens in sich nicht erkennen. Ihr wisst alle, welch große Gefahr auf uns zukommt, welch wichtiger Aufgabe wir uns stellen müssen. Lasst uns dies nicht alleine versuchen!"

Wie gefesselt hingen sie an seinen Lippen, schienen jedes seiner Worte in sich aufzusaugen, als ob sie in ihrem Inneren wie ein vertrocknetes Pflänzchen wären, dass nach jedem Tropfen an Wissen giert als wäre es seine Lebensessenz. Neben ihm ließ Sheenallasaar ihren Blick über die Menge streifen und beobachtete, ebenso wie ich die Gäste. Ihr Blick blieb kurz an den Halblingen hängen, und ein warmes Lächeln umspielte ihren Mund. Das lebensfreudige Volk, welches zwischen den Sümpfen der Chrk'osh und dem großen Westfluss lebte schien ihr besonders ans Herz gewachsen zu sein.

Schließlich, als Nandur seine Rede beendet hatte, ergriff seine Gemahlin das Wort, und obwohl es kaum möglich schien, war es so, als ob alle noch etwas aufmerksamer und gebannter ihre Worte aufnehmen würden.

"Ihr alle seid unserem Ruf gefolgt, und dafür gebührt Euch unser aufrichtigster Dank. Einst kamen wir zu Euch und zeigten Euch einen Weg voller Gefahren und Entbehrungen. Einen Weg der für Viele von Euch sicher den Tod bedeutet hat, den ihr jedoch trotzdem gegangen seid. Nun bitten wir Euch erneut, uns zu vertrauen. Jeder von Euch besitzt eine Stärke, und sei sie auch noch so gering, die kein anderer sein Eigen nennen kann. Jedoch seid ihr alleine verloren. Nur zusammen könnt ihr Eure Stärken vereinen."

"Lasst uns zusammen dem Pfad des Lichts in ein neues Zeitalter, in eine neue Welt folgen! Die Zeit ist gekommen, eine große Gemeinschaft, eine Allianz aller von der Finsternis befreiten Länder zu gründen!"

Nandur schien bei jedem Wort zu wachsen und seine Gestalt schien von Innen heraus zu leuchten, als er diese Worte sprach.

"Suchet einander, haltet einander, steht einander bei! Lasst uns gemeinsam die Erkenntnis im Licht finden, denn Erkenntnis zeigt Stärken und Schwächen. Und wenn ihr Eure Schwächen kennt, sind es keine Schwächen mehr. Und wenn ihr Eure Stärken kennt ? vereint sie!"

Sekunden der Stille folgten, nachdem er geendet hatte. Gebannt wartete ich, was nun geschehen würde, da rissen sie alle wie auf eine geheime Absprache hin die Fäuste gen Himmel und schrien es hinaus: "Bahamuth!" "Einheit!" "Freiheit!" Aus hundert Kehlen schallte es dem Himmel und dem Auge Bahamuths entgegen. Mehr als zwei Dutzend verschiedene Rassen und Völker hatten heute gemeinsam einen Weg gewählt.

Der Bund war geschlossen.

Als ich seinen Ruf vernahm breitete ich meine Schwingen aus und stieß mich von dem Felsen ab, von dem aus ich alles beobachtet hatte und glitt langsam über die Versammelten hinweg zu Nandur. Behutsam setzte ich neben seinem Sohn auf.

"Tir Amath, Diamantener, Du sollst der Zeuge dieses Bündnisses sein. Halte fest, was heute hier geschehen ist und fliege los, auf dass alle von diesem Ereignis erfahren! Aitharos soll Dich begleiten, auf dass er die Völker kennen lerne." "Es soll mir eine Ehre sein, Deinem Sohn ein Begleiter und Diener zu sein, und Deine Worte in die Welt zu tragen." "Kein Diener sollst du mir sein, sondern ein Freund, oh edler Drache!"

"Und nun zu Dir, Wanderer?" Zu meiner Verblüffung trat eine Gestalt zu uns, die mir zuvor unter den Anwesend nicht aufgefallen war. Gekleidet in lange, braune Gewänder und eine Feder und ein Buch haltend schien sie die ganze Zeit das Geschehen aus dem Hintergrund beobachtet zu haben. ?Du hast Deinen Teil der Abmachung gehalten, so werde ich nun meinem nachkommen." "Sicher." War die einfache Antwort. Seine Stimme war leise, kaum mehr als ein Flüstern doch hatte sie etwas Endgültiges und Absolutes an sich. Wer war dieser Fremde? Was hatte Nandur mit ihm zu schaffen? Doch sollte ich an diesem Tag keine Antworten auf meine Fragen finden, sondern erst viele Jahre später?

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